Sie stellt sicher, dass ein Auftragnehmer auch nach Fertigstellung seiner Leistung für mögliche Mängel einsteht.
Konkret bedeutet das: Der Auftraggeber behält üblicherweise einen Teil der Rechnungssumme als Sicherheit ein (sogenannter Sicherheitseinbehalt). Statt diesen Betrag einzubehalten, kann der Auftragnehmer eine Bürgschaft vorlegen. In diesem Fall übernimmt ein Bürge die Garantie dafür, dass berechtigte Mängelansprüche erfüllt werden.
Die Gewährleistungsbürgschaft sichert somit die Ansprüche des Auftraggebers während der Gewährleistungsfrist ab. Die rechtlichen Grundlagen finden sich in der VOB/B, dem BGB und im Gesetzbuch. Die Gewährleistungsbürgschaft ist sowohl im Werkvertrag nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) als auch bei Verträgen nach der VOB/B (Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen) relevant.

Wer benötigt eine Gewährleistungsbürgschaft?
Eine Gewährleistungsbürgschaft wird in der Praxis vor allem von Unternehmen benötigt, die Bauleistungen oder vergleichbare Werkleistungen erbringen.
Typische Fälle:
- Bauunternehmen im Hoch- und Tiefbau
- Handwerksbetriebe
- Subunternehmer im Baugewerbe
- Unternehmen im Maschinen- und Anlagenbau
Der Auftraggeber verlangt diese Sicherheit, um sich gegen Mängel nach der Abnahme abzusichern. Für den Auftragnehmer ist sie vor allem ein Instrument, um Liquidität zu schonen, da kein Geld einbehalten wird.

Was sind die Vorteile einer Gewährleistungsbürgschaft?
Eine Gewährleistungsbürgschaft bietet sowohl für Auftragnehmer als auch für Auftraggeber klare Vorteile.
Für den Auftragnehmer:
- Der Sicherheitseinbehalt wird durch die Bürgschaft ersetzt – Liquidität bleibt erhalten
- Es muss kein eigener Geldbetrag hinterlegt werden, sondern nur die Bonität wird genutzt
- Bürgschaften können flexibel innerhalb eines vereinbarten Rahmens abgerufen werden
- Keine Belastung der Kreditlinie
- Schneller Ablauf und digitale Prozesse
Für den Auftraggeber:
- Absicherung von Mängelansprüchen über die gesamte Gewährleistungszeit
- Anspruch auf Zahlung durch den Bürgen, wenn der Auftragnehmer seinen Verpflichtungen nicht nachkommt
Schadenbeispiel:
Nach Fertigstellung eines Gebäudes treten innerhalb der Gewährleistungsfrist Risse im Mauerwerk auf. Der Auftragnehmer reagiert nicht auf die Mängelanzeige. Der Auftraggeber nimmt die Bürgschaft in Anspruch und erhält die Kosten für die Mängelbeseitigung erstattet.

Wer trägt die Kosten der Gewährleistungsbürgschaft?
Die Kosten für die Gewährleistungsbürgschaft trägt grundsätzlich der Auftragnehmer. Er schließt die Bürgschaft im Rahmen einer Kautionsversicherung ab und zahlt dafür einen Beitrag.
Dieser Beitrag richtet sich in der Regel nach:
- Höhe des Bürgschaftsrahmens
- Bonität des Unternehmens
- vereinbartem Tarif und Beitragsmodell
Bei der VHV Gewährleistungsbürgschaft zahlen Sie für folgenden Bürgschaftsrahmen folgenden Beiträge:
- 25 000 € – 149 €
- 50 000 € – 400 €
- 75 000 € – 600 €
- 100 000 € – 800 €
- 150 000 € – 1 200 €
- 200 000 € – 1 600 €
- 250 000 € – 2 000 €
Wie hoch ist die Gewährleistungsbürgschaft?
Die Höhe der Gewährleistungsbürgschaft orientiert sich am üblichen Sicherheitseinbehalt.
In der Praxis beträgt sie in der Regel etwa 3–5 % der Auftragssumme.
Schadenbeispiel:
Ein Bauauftrag über 200.000 € wird abgeschlossen. Der Auftraggeber verlangt 5 % Sicherheit für die Gewährleistung. Der Auftragnehmer stellt eine Bürgschaft über 10.000 € und erhält die volle Rechnungssumme ausgezahlt.
Was bedeutet eine Gewährleistungsbürgschaft nach der VOB?
Bei Bauverträgen nach der VOB (Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen) ist die Gewährleistungsbürgschaft ein fest etabliertes Sicherungsmittel. Sie sichert die sogenannten Mängelansprüche des Auftraggebers während der vereinbarten Gewährleistungsfrist. Diese beträgt bei VOB-Verträgen in der Regel 4 Jahre.
Diese Fristen sind vertraglich vereinbart und müssen unbedingt beachtet werden. Auch der Bundesgerichtshof (BGH) hat in mehreren Urteilen klargestellt, dass Bürgschaften bestimmten Anforderungen entsprechen müssen, insbesondere hinsichtlich Transparenz und Höhe der Bürgschaftssumme.
Wie unterscheiden sich Gewährleistungsbürgschaften nach VOB und BGB?
Der wesentliche Unterschied liegt in der Dauer der Gewährleistungsfrist:
VOB-Vertrag: in der Regel 4 Jahre
BGB-Vertrag: in der Regel 5 Jahre
Die Funktion der Bürgschaft ist in beiden Fällen identisch: Sie sichert die Ansprüche des Auftraggebers bei Mängeln nach der Abnahme.
Schadenbeispiel:
Bei einem Bauprojekt nach BGB wird fünf Jahre nach Fertigstellung ein Mangel an der Abdichtung festgestellt. Die Bürgschaft deckt die Kosten, da sie über die gesamte Gewährleistungsdauer besteht.
Was macht der Auftraggeber, wenn der Auftragnehmer keine Bürgschaft vorlegen kann?
Kann der Auftragnehmer keine Gewährleistungsbürgschaft stellen, wird der Auftraggeber in der Regel den Sicherheitseinbehalt einbehalten.
Das bedeutet:
- Ein Teil der Rechnungssumme wird nicht ausgezahlt
- Der Betrag bleibt bis zum Ende der Gewährleistungsfrist beim Auftraggeber

Kann ich einen bereits getätigten Sicherheitseinbehalt durch eine Bürgschaft ablösen?
Ja, ein bereits einbehaltener Betrag kann nachträglich durch eine Gewährleistungsbürgschaft ersetzt werden.
Das ist ein häufiger Anwendungsfall:
- Der Auftragnehmer stellt im Nachhinein eine Bürgschaft
- Der Auftraggeber zahlt den einbehaltenen Betrag aus
Schadenbeispiel:
Ein Handwerksbetrieb hat 8.000 € Sicherheitseinbehalt offen. Durch Vorlage einer Bürgschaft erhält er den Betrag ausgezahlt und verbessert damit seine Liquidität.
Wie bekomme ich Abschluss die notwendige Bürgschaftsurkunde für den Auftraggeber?
Nach erfolgreicher Beantragung und Bonitätsprüfung stellt der Bürge die Bürgschaftsurkunde aus. Die Ausstellung kann heute auf verschiedenen Wegen erfolgen:
- klassisch in Papierform
- digital über Online-Portale
- als PDF zur direkten Weiterleitung an den Auftraggeber
Die Bürgschaft wird entweder direkt an den Auftraggeber übermittelt oder dem Auftragnehmer zur Weitergabe bereitgestellt.
Wie hoch muss der Bürgschaftsrahmen sein?
Der Bürgschaftsrahmen ist die maximale Gesamtsumme aller gleichzeitig laufenden Bürgschaften. Er wird individuell festgelegt und hängt vor allem von der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit des Unternehmens ab. Hier kommt es auf das Einzellimit an, also die höchstmögliche Einzelbürgschaft, die du benötigst.
Nehmen wir das Beispiel, du hast eine Bürgschaftsrahmen von 100 000 Euro. Im Rahmen dieser 100 000 Euro darfst du Gewährleistungsbürgschaften abrufen. Aber, die höchste Einzelbürgschaft, die du abrufen kannst, sind 30 000 Euro.
Benötigst du jetzt für einen Gewährleistungsbürgschaft für einen Bau in Höhe von 45 000 Euro, dann geht das nicht mit diesem Bürgschaftsrahmen. Hierfür benötigst du einen Rahmen von 150 000 Euro. Deinen vorliegenden Bürgschaftsrahmen von 100 000 Euro kannst du aber in der Regel leicht auf 150 000 Euro erhöhen.
Hier ein paar Beispiele von Bürgschaftsrahmen und höchste Einzelbürgschaft:
- 25 000 € / 10 000 €
- 50 000 € / 15 000 €
- 75 000 € / 22 500 €
- 100 000 € / 30 000 €
- 150 000 € / 45 000 €
- 200 000 € / 52 500 €
- 250 000 € / 62 500 €
In welcher Höhe sollte die Gewährleistungsbürgschaft bestehen?
Die einzelne Gewährleistungsbürgschaft sollte sich an der jeweiligen Auftragssumme orientieren (typisch 3–5 %).
Für den gesamten Bürgschaftsrahmen gilt:
Er sollte alle parallel laufenden Projekte abdecken
Maßgeblich ist die Summe aller benötigten Bürgschaften gleichzeitig.
Schadenbeispiel:
Ein Unternehmen hat drei Bauprojekte parallel. Für jedes Projekt wird eine Bürgschaft von 5.000 € benötigt. Der Bürgschaftsrahmen muss mindestens 15.000 € betragen, damit alle Bürgschaften gestellt werden können.
Fragen (FAQ) zur Kautionsversicherung
Welche Bürgschaftsarten gibt es noch?
Neben der Gewährleistungsbürgschaft gibt es weitere wichtige Bürgschaftsarten:
- Ausführungsbürgschaft (Absicherung während der Bauphase)
- Vertragserfüllungsbürgschaft (Absicherung der gesamten Vertragserfüllung)
- Anzahlungs- bzw. Vorauszahlungsbürgschaft
- Bietungsbürgschaft
- Bauhandwerkersicherungsbürgschaft
Diese decken unterschiedliche Phasen eines Projekts ab – von der Angebotsphase bis zur Gewährleistung.
Gewährleistungsbürgschaft Beispiele
Beispiel 1:
Nach der Fertigstellung einer Heizungsanlage fällt diese innerhalb der Gewährleistungsfrist aus. Der Auftragnehmer behebt den Schaden nicht. Der Auftraggeber nutzt die Bürgschaft zur Finanzierung der Reparatur.
Beispiel 2:
Bei einem Neubau treten Feuchtigkeitsschäden im Keller auf. Die Ursache liegt in einer mangelhaften Abdichtung. Die Bürgschaft übernimmt die Kosten für die Nachbesserung.
Warum ist eine Bürgschaft der Bank keine Alternative?
Eine Bankbürgschaft ist grundsätzlich möglich, hat aber oft Nachteile:
- Sie belastet die Kreditlinie bei der Bank
- Es müssen häufig Sicherheiten gestellt werden
- Die Beantragung erfolgt oft einzeln pro Bürgschaft
Im Gegensatz dazu bietet eine Kautionsversicherung mehr Flexibilität und schont die Liquidität.
Wie viele Jahre müssen Gewährleistungsbürgschaften bestehen?
Die Laufzeit richtet sich nach der vereinbarten Gewährleistungsfrist im Vertrag.
Typische Dauer:
4 Jahre bei VOB-Verträgen
5 Jahre bei BGB-Verträgen
Wie lange dauert die Gewährleistungsfrist?
Die Gewährleistungsfrist wird im Bauvertrag festgelegt und bestimmt den Zeitraum, in dem Mängel geltend gemacht werden können. Sie entspricht gleichzeitig der Laufzeit der Gewährleistungsbürgschaft.
Gibt es einen Unterschied zwischen einer Gewährleistungsbürgschaft und einer Mängelansprüchebürgschaft?
In der Praxis werden beide Begriffe meist gleich verwendet.
Inhaltlich ist gemeint:
Absicherung aller Mängelansprüche des Auftraggebers nach Abnahme
Schutz während der gesamten Gewährleistungsfrist
Ein inhaltlicher Unterschied besteht daher in der Regel nicht.
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